
Geschichte, Denkmalschutz, Naturschutz und Erhaltung historischen Erbes
Verein
Fortis Colonia und die Waschpforte
Fortis Colonia beschäftigt sich mit den Kölner Stadtbefestigungen aus 2000 Jahren, von der römischen über die mittelalterliche Stadtmauer bis hin zu den Festungswerken aus preußischer Zeit und wie diese Wehrbauten die Kölner Stadtstruktur bis heute prägen. Ziel sind der Erhalt und die Förderung der Wertschätzung der denkmalgeschützten Festungsbauten, was der Verein durch Wissensvermittlung unterstützen möchte.
2024 nahm sich Fortis Colonia der damals noch als Zollpforte bezeichneten sanierungsbedürftigen Waschpforte an, akquirierte Spenden und beauftragte in enger Abstimmung mit Stadt- und Landeskonservator ihre Restaurierung. Im Mai 2025 wurde die sanierte Pforte der Kölner Bevölkerung übergeben. Für 2026 ist die Aufstellung eine Stele mit einer Information über Waschpforte geplant.
Die Waschpforte
Die Waschpforte ("die wessch poertz"), lange Zeit als die Zollpforte angesehen, war Teil der mittelalterlichen Stadtmauer Kölns entlang des Rheinufers und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Durch sie gelangte man vom Rhein auf den Thurnmarkt, wie viele der öffentlichen Tore an der Flussseite direkt zu einem Marktplatz führten. Im belebten Marktviertel errichteten reiche Kölner ihre Häuser an und auf der Stadtmauer, so dass in der frühen Neuzeit (17. Jh.) das Törchen Teil der Sockelzone eines Hauses wurde. Nur wenig später erhöhten die Kölner das Bodenniveau hier am Rheinufer durch Erdaufschüttungen, was die Pforte bis zu ihrem Bogenansatz im Erdreich verschwinden ließ.
Nach der starken Kriegszerstörung der Häuser der Rheinuferzone am Ende des Zweiten Weltkriegs ragte das Bogenrund des Törchens aus den Schuttmassen hervor. Eine Zeichnung von Walter Wegener von 1951 (Kölnisches Stadtmuseum, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. HM 1955/213/685) hält diesen Moment fest.
Im Zuge des Ausbaus der Rheinuferstraße wurde das historische Mauerwerk im August 1964 gehoben und um zehn Meter nach Westen vor das Gebäude Thurnmarkt Nr. 3 versetzt. Damals war das Törchen fälschlich als Zollpforte identifiziert worden. Während der Forschungsarbeiten zur mittelalterlichen Kölner Rheinmauer entdeckten Alexander Hess und Dr. Christian Josef Kremer, dass es 1964 zu einer falschen Zuschreibung der Pforte gekommen war und dass es sich bei der Pforte nur um die in einer Rheinansicht von Anton Woensam von 1531 dargestellte Waschpforte handeln kann. Ihre Forschungsergebnisse wurden in Fortis Das Magazin 2025, der Vereinszeitschrift von Fortis Colonia e. V., im Dezember 2025 veröffentlicht.
Die mittelalterliche Kölner Rheinmauer wurde durch viele Tore und kleine Pforten gegliedert, besonders im zentralen Marktviertel gab es fast an jeder zum Rheinufer führenden Gasse eine Öffnung. Seit dem ausgehenden Mittelalter errichteten reiche Kölner insbesondere im Marktviertel ihre Häuser an und auf der Stadtmauer, sodass in der frühen Neuzeit das Törchen Teil der Sockelzone eines Hauses wurde. Parallel dazu erhöhten die Kölner das Bodenniveau hier am Rheinufer durch Erdaufschüttungen, was die Waschpforte und viele andere Pforten mit der Zeit bis zu ihrem Bogenansatz im Erdreich verschwinden ließ.
Damit waren die Pforten nicht mehr zugänglich und wurden Teil der Sockelzone und der Keller der in die Höhe wachsenden Häuser auf der Stadtmauer. Spätestes mit der Anlage der Vorgärten zum Leystapel (Rheinufer) hin wurden die beiden Törchen, die Zoll- und die Waschpforte, in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gänzlich verschlossen.
Das Kölner Rheinufer mit Wasch- und Zollpforte auf der Ansicht von Anton Woensam, 1531. Bearbeitung Hess/Kremer
Die Rheinansichten, so etwa die oben erwähnte von Woensam, und Katasterkarten aus späteren Zeiten machen im Vergleich mit dem heutigen Stadtkataster deutlich, dass es sich bei der Pforte nicht um die Zollpforte handeln kann. Diese wäre in der Sockelzone des Gebäudes Thurnmarkt 22–24 bzw. Leystapel 41 zu suchen. An diesem Standort treffen sich heute die südwärts führenden Spuren der Rheinuferstraße und die Abbiegespur der heutigen Straße Heumarkt. Die namentlich nur in der Rheinansicht Woensams genannte Waschpforte war deutlich kleiner als die Zollpforte und lag direkt nördlich neben dem Rheingassentor. Sie diente den Kölner/innen, um zu den Waschbänken am Rheinufer zu gelangen. Seit der frühen Neuzeit befand sie sich mehr oder weniger sichtbar in der Sockelzone des Hauses Thurnmarkt Nr. 6 am Leystapel. An dieser Stelle braust heute der Verkehr über die Rheinuferstraße nach Süden.
Das heutige Kölner Stadtkataster unterlegt mit dem Katasterplan 1836 (Waschpforte = A; Zollpforte = B). Bearbeitung Hess/Kremer
Durch den Bau der Kölner Markthalle, im Bereich des heutigen Maritimhotels, 1904, und den Bau der ersten Deutzer Hängebrücke 1913-15, war das historische Kölner Marktviertel bereits stark verändert worden. Der Wiederaufbau des Viertels nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Leitbild der "autogerechten Stadt" führte zur Verbreiterung der Rheinuferstraße und der Verlegung der Paradiesgasse (heute als Heumarkt bezeichnet) als Auffahrt zur Deutzer Brücke.
Im Zuge dessen wurden auch die letzten verblieben baulichen Reste der östlichen Häuserzeile des Thurnmarkts, die auch die Westseite des Leystapels darstellte, Anfang der 1950er bis in die 60er-Jahre abgerissen. Hierbei kam es auch zur Beseitigung möglicher weiterer oberirdischer Mauerreste der Stadtmauer.
Bei den in der Sockelzone am Leystapel des Hauses Thurnmarkt 6 gefundenen Resten einer Schlupfpforte, einem kleinen Mauertor, kann es sich nur um "die wessch poertz", die Waschpforte handeln.
Köln im April 2026
Alexander Hess


