Fortis Colonia e.V.
Spezial: Historischer Park Deutz

Fortis Colonia e.V. - Abbruch und Ausgrabungen am alten Deutzer Bahndamm. Bild: ebertplatz.deFortis Colonia e.V. - Abbruch und Ausgrabungen am alten Deutzer BahndammFortis Colonia e.V. - Abbruch und Ausgrabungen am alten Deutzer BahndammFortis Colonia e.V. - Abbruch und Ausgrabungen am alten Deutzer BahndammFortis Colonia e.V. - Abbruch und Ausgrabungen am alten Deutzer BahndammFortis Colonia e.V. - Abbruch und Ausgrabungen am alten Deutzer BahndammFortis Colonia e.V. - Abbruch und Ausgrabungen am alten Deutzer Bahndamm

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Aus der BID wurde der Förderverein HPD e.V.

Offener Brief zu den Ausgrabungen am Deutzer Bahndamm

Der Vorsitzende von Fortis Colonia e. V., Konrad Adenauer, hat sich in einem Offenen Brief an den Oberbürgermeister für den Erhalt der bei Bauarbeiten zum Deutzer "Rheinboulevard" entdeckten Funde eingesetzt.

Sie können den Brief hier als Datei im PDF-Format herunterladen.

Übergabe der ersten 1111 Unterschriften an den Kulturdezernenten der Stadt Köln, Georg Quander, durch Konrad Adenauer, 1.Vorsitzender Fortis Colonia e.V., und Thomas-Georg Tremblau, "Bürgerinitiative für die Erhaltung des kulturellen Erbes in Deutz" am 19. Oktober 2010 im Kölner Rathaus

An den Oberbürgermeister der Stadt Köln

Die Arbeiten für den Rheinboulevard haben in Köln-Deutz zwischen Alt-St. Heribert und dem Rhein einen wahren historischen Schatz zutage gefördert. Beim Abtragen der Grünanlage auf dem früheren Bahndamm am Deutzer Rheinufer wurden Reste historischer Bauten wiederentdeckt, die man ohne Übertreibung als spektakulär bezeichnen darf. Es gibt weit über Köln hinaus im rechtsrheinischen Nordrhein-Westfalen keine vergleichbare Ballung von Geschichtszeugnissen aus zwei Jahrtausenden wie im Schatten des ehemaligen Lufthansa-Hochhauses.
So ist nun ablesbar, dass neuzeitliche Befestigungsanlagen und die Bahndammstützmauern aus dem späten 19. Jahrhundert offensichtlich auf den Grundmauern des römischen Kastells errichtet wurden. Dies ist ein herausragendes Zeugnis dafür, wie nachhaltig frühere Generationen mit vorhandenen Ressourcen umgegangen sind.
Außerdem zeigt sich, dass wohl noch über dem heutigen Straßenniveau Reste anderer historischer Bauten liegen. Der frühere Bahndamm erweist sich damit als eine Aufschüttung, die offenbar nicht nur aus dem späten 19. Jahrhundert stammt. Vielmehr haben sich allem Anschein nach unter der Oberfläche des Dammes historische Schichten aus früheren Jahrhunderten erhalten. Dort befand sich die alte Deutzer Pfarrkirche St. Urban und deren Friedhof. Abgesehen davon ist die Drehscheibengrube des Bergisch-Märkischen Bahnhofs mit ihrer nun erkennbaren Konstruktion eine eigene Attraktion.

Dieser Schatz darf jetzt nicht zerstört werden. Die angestrebte Aufwertung des Rechts- rheinischen durch den Rheinboulevard darf nicht zu einem Abbruch der Zeugnisse rechtsrheinischer Geschichte führen. Daher tritt Fortis Colonia e.V. dafür ein, die Planung dahingehend zu modifizieren, dass diese bedeutenden Relikte erhalten bleiben können. Natürlich bedeutet eine solche Änderung einen zusätzlichen Aufwand. Aber in Anbetracht des Gesamtumfangs der Baumaßnahmen und der überregionalen historischen Bedeutung dürfte sich dieser Aufwand in jedem Fall noch in einem zumutbaren Bereich bewegen.

Fortis Colonia e.V. ist die größte Vereinigung, die sich für die Erhaltung historischer Festungsanlagen in Köln einsetzt. Daher liegen uns natürlich die Relikte der Befestigungs- anlagen aus zwei Jahrtausenden besonders am Herzen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang:

  • Reste des unter Kaiser Konstantin um 310 n.Chr. angelegten römischen Kastells,
  • die von den Preußen im Zusammenhang mit der Deutzer Umwallung ab 1818 errichtete Rheinuferbefestigung. Es handelte sich dabei um eine mit Schießscharten versehene freistehende Mauer aus Basaltsäulen, die auf der Rückseite zum Schutz der Verteidiger mit massiven Pfeilern und überwölbten Zwischenräumen in Ziegelbauweise versehen war („krenelierte Bogenmauer“). Reste der Basaltmauer sind noch unter der für den Bahnhof der Bergisch-Märkischen Eisenbahn 1882 errichteten rheinseitigen Stützmauer zu sehen.
  • der auf dem Tuffsteinfundament des nordwestlichen Eckturms des römischen Kastells als Teil der preußischen Rheinuferbefestigung erbaute „Schinkenkessel“, ein Halbturm, dessen Untergeschoss aus Basaltstein-, das Obergeschoss aus Ziegelsteinmauerwerk bestand,
  • das in die von Adolf Abel zur Ausstellung Pressa 1928 angelegte Treppenanlage integrierte, 1930 errichtete Kürassierdenkmal. Das Reiterstandbild erinnert an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Angehörigen des Kürassier-Regiments Graf Geßler (Rheinisches) Nr. 8, das seit 1849 in der nahe (an der Stelle des heutigen Landeshauses) gelegenen Kavalleriekaserne untergebracht war. Es ist fraglich, ob die ohnehin stark gefährdeten namentlichen Inschriften der mit Muschelkalk verkleideten Säule eine Versetzung des Denkmals überstehen würden. Lässt man das Denkmal hingegen nach Abriss des Dammes einfach als „Zahnstocher“ in der Uferlandschaft stehen, wird man vom Straßenniveau aus die Inschriften überhaupt nicht mehr entziffern können.

Diese archäologischen Befunde und diese sowie eine Vielzahl weiterer historischer Zusammenhänge mit dem näheren Umfeld lassen sich für Betrachter in ihrem Kontext mit vertretbarem Aufwand erklären. So kann später die historische Entwicklung nicht nur durch Beschriftungen, sondern zum Beispiel auch durch ein Modell vor Ort begreifbar gemacht werden.
Damit können die Befunde zu einer neuen Attraktion für das rechtsrheinische Köln werden und so den hohen Anspruch der Rheinboulevard-Planung vom Aufbruch im Rechtsrheinischen mit Leben erfüllen.

gez.
Vorsitzender:Konrad Adenauer
Stellvertretender Vorsitzender: Werner Burauen